Memorial Tour Gusen | August 2015

Gusen-Memorial-Tour(c)Rivertours

Es ist eine Aulandschaft mit all ihren Reizen, wie viele andere auch, entlang der Donau und ihren kleineren Zuflüssen. Doch hier, auf und um die Gusen, die bei Mauthausen in die Donau mündet überlagert die Geschichte rund um die ehemaligen KZs Gusen und Mauthausen bis heute die Gegend. Wer ganze hinsieht, entdeckt auch außerhalb der ehemaligen Lagerbereiche zahlreiche Bezüge und Hinweise auf die NS-Geschichte. Wolfgang Schmutz war erstmals mit Rivertours.at auf dem Fluss unterwegs, im Reisegepäck: Geschichte und Geschichten, die an Wasser und an Land zur Diskussion gestellt wurden.

Knapp einen Kilometer südlich des ehemaligen KZ Gusen, des heutigen Memorials und der Einfamilienhaussiedlung, die auf dem ehemaligen Lagergelände steht, lassen sich bis heute Ereignisse entdecken, die unmittelbar mit der Geschichte des Lagers in Zusammenhang stehen. Da wäre etwa der Gedenkstein in Gusen-Dorf, direkt am Fluss, der einem Häftling gewidmet ist, der wenige Tagen nach der Befreiung des Lagers hier ermordet wurde. Oder jener Grabstein, der an einen Jagdunfall erinnert, bei dem ein Treiberjunge aus der Gegend vom Linzer Gestapoleiter Gerhard Bast tödlich verletzt wurde. Bei einer Jagd, zu dem der Mauthausen-Kommandant Franz Zierreis nicht nur NS-Prominenz , sondern auch die lokalen Jägerkollegen einlud.

„Ich weiß viel über die Zeit aber das Gelände vor Ort zu erkunden und mit eigenen Augen zu sehen öffnet einen neuen Blick. Aussagen aus jener Zeit, wie „ich habe nichts gewusst“ sind nicht mehr haltbar, aber die Beweggründe der Menschen werden klarer.“

Diese Erzählungen in der Au nimmt die Gruppe mit auf den Weg zurück zum Fluss, auf dem es mit dem Boot bis zum nächsten Halt, der Ruine Spilberg, weitergeht. Die von einem lokalen Verein gepflegte und laufend restaurierte Anlage verweist auf die lange Geschichte dieses romantisch anmutenden Ortes, der lange vor dem Bau der Burg an zwei wichtigen Grenzen lag: Am Limes der römischen Provinz Noricum und an der Grenze zwischen Franken und Awaren, gut 200 Jahre bevor der Name Ostarrichi erstmals auftauchte. Zur Zeit des KZ mussten hier Häftlinge archäologische Ausgrabungen durchführen und fanden u.a. römische Grabsteine. Im „Kommando Spilberg“ war der im KZ Gusen inhaftierte Priester Josef „Papa“ Gruber leitend tätig. Er nutzte diese Position um für die Mithäftlinge Überlebenswichtiges ins Lager zu schmuggeln und dazu, die Außenwelt mit Informationen zum Lager zu versorgen. Als sein Hilfssystem aufflog, wurde er am Karfreitag des Jahres 1944 im KZ Gusen zu Tode gefoltert.

„Wieso weiß man jetzt nur mehr so wenig über die Ereignisse rund ums Lager, oder warum will man nur so wenig wissen? Wie geht man mit so einem Wissen überhaupt um? Was heisst das für mich persönlich?“, fragt sich ein Teilnehmer aus der Region nach der Tour.

70 Jahre danach setzt die Gruppe ihren Weg auf der Gusen fort, in Richtung der Mündung in die Donau. Der letzte Halt davor liegt dort, wo der Riederbach in die Gusen mündet. Jener Bach, der den Steinbruch des ehemaligen KZ Mauthausen quert, der an den vormaligen Häusern der SS im Wiener Graben vorbei rinnt.

„Das Konzept der Tour find ich recht gut. Man ist nicht direkt in

einer Gedenkstätte sondern in ganz normaler Umgebung. Da kommen die

Geschichten realer rüber da es nicht an speziellen, dafür

vorgesehen Orten stattfindet. Die Pausen, die durchs Bootfahren

entstehen, lassen den Leuten Zeit, die erfahrenen Geschichten sickern zu

lassen und darüber nachzudenken.“

An der Donaumündung angekommen, wird der Hafen thematisiert, in dem Granit aus den KZ-Steinbrüchen von Häftlingen verladen wurde und auf der Donau weitertransportiert. An der Landestelle Mauthausen schließlich, legt das Rivertours-Boot unweit der heutigen Radfähre an. An derselben Stellen kreuzten einst Häftlinge die Donau, die über das Ennstal auf den sogenannten Todesmärschen Mauthausen erreichten. Nach der Befreiung setzten hier auch überlebende Häftlinge über.

„Wolfgang Schmutz hat uns nicht nur historische Fakten geliefert er hat uns unter freiem Himmel den Raum geöffnet, um offen darüber zu reden und vielleicht ein bisschen mehr zu verstehen. Das einfache Schwarz-Weiß-Denken funktioniert nicht. Am Ende fragt man sich. Wie hätte ich gehandelt?“


Wann: Freitag, 21. bis Samstag, 22. August
Geeignet ab 17 Jahre für Einsteiger, Interessierte ohne und mit Vorkenntnissen.
Start & Endpunkt: Mauthausen
Dauer: Freitag ab 14:00 Uhr bis Samstag bis ca. 16:00 Uhr
Preis 240,-€ inkl. Guides, Übernachtung in Gusen, Audioguide und Bootstour, Getränke & Versorgung während der Tour. Ab 7 Teilnehmerinnen 210,-€ und ab 9 Teilnehmerinnen 190,-€
Gruppen gerne auf Anfrage*

Auskunft bei Mario Stauder unter +4369910992004.
Anmeldung bitte schriftlich unter mario.stauder@rivertours.at

Mehr von, mit und über Wolfgang Schmutz auf
• Interview mit den OÖ Nachrichten
Veranstaltung im Kepler Salon

• Bericht von Wolfgang Schmutz im „Linz.verändert, Magazin“ ; Bericht vom 08.Juni 2015 Der Standard,

Gusen Memorial

 

 

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